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Alles über Lautsprachunterstützende Gebärden

Aktualisiert: 27. Nov. 2023


Was sind Lautsprachunterstützende Gebärden?


Beim Lautsprachunterstützenden Gebärden (abgekürzt: LUG) werden die Schlüsselworte eines Satzes bzw. einer Aussage parallel zur Lautsprache gebärdet. Anders als bei LBG (Lautsprachbegleitenden Gebärden) wird bei LUG nicht jedes gesprochene Wort parallel gebärdet 👌🏽 Wir nutzen also lediglich einzelne Gebärden, um bedeutsame Wörter in einem Satz/einer Aussage zu visualisieren. Das kann besonders nützlich sein, um Schlüsselbegriffe hervorzuheben & das Verständnis zu vertiefen. 📢👐🏻


Hier findest du eine Liste über die wichtigsten (alternativen) Kommunikationsmöglichkeiten mit Gebärden für Kinder:

Was ist DGS?

Die Deutsche Gebärdensprache, abgekürzt DGS, ist die visuell-manuelle Sprache, mit der vor allem Menschen mit Hörbehinderung (gehörlos, schwerhörig, uvm.) kommunizieren. Gebärden sind die Wörter der Deutschen Gebärdensprache. Die DGS wird in Deutschland, Belgien & Luxemburg untereinander und mit Hörenden zum kommunizieren genutzt - In anderen Ländern werden andere Gebärden-Wörterbücher genutzt. Die DGS ist eine eigenständige Sprache, ihre Grammatik unterscheidet sich grundlegend von der der deutschen Lautsprache.

Was ist LBG?

Beim LBG, Lautsprachbegleitende Gebärden, wird jedes Wort eins-zu-eins zur gesprochenen Sprache gebärdet. LBG wird oft auch „gebärdetes Deutsch“ genannt, das ganz oder teilweise der Grammatik der deutschen Sprache folgt - von vielen DGS-Benutzern aber als „falsch“ empfunden wird: Es wäre vergleichsweise etwa so, als würden Worte der deutschen Sprache mit spanischem Satzbau verwendet. Deshalb ist die DGS eine Sprache, während LBG "lediglich" ein Kommunikationssystem ist (ohne eigene Grammatik, Satzlehre, etc.).

Was ist GuK?

Die Gebärden-unterstützte Kommunikation (GuK) ist eine Methode, die ursprünglich zur Sprachanbahnung von Kinder mit einer verzögerten Lautsprachentwicklung und Kindern, bei denen der Lautspracherwerb noch erwartet werden kann, entwickelt wurde. GuK beinhaltet eine Anzahl an eigenen Gebärden, die im Vergleich zu den Gebärden der DGS einfacher gestaltet wurden* sowie GuK-Karten.

*bzgl. motorischer Ausführung und Zusammenhang zur Lautsprache.

Was ist LUG?

Bei LUG, Lautsprachunterstützende Gebärden, werden die Schlüsselworte gleichzeitig mit dem Aussprechen des Schlüsselwortes gebärdet. Dabei wird in der Regel auf das Vokabular der im entsprechenden Land geltenden Gebärdensprache zurückgegriffen. In Deutschland wird für Lautsprachunterstützende Gebärden vor allem das umfangreiche Vokabular der DGS genutzt. Lautsprachunterstützende Gebärden werden in der Kommunikation mit hörenden Menschen angewendet, welche nicht über ausreichende lautsprachliche Fähigkeiten verfügen oder deren Fähigkeit, den Inhalt von Gesagtem vollumfänglich zu erfassen, nicht ausreichend ist. LUG ersetzt niemals die DGS als Sprache, sondern ist ein alternatives bzw. ergänzendes Kommunikationssystem zur Lautsprache.

Was ist der Unterschied zwischen LUG & GuK

GuK wird oft als Bezeichnung genannt für ein Kommunikationssystem, das eigentlich LUG meint! GuK verfolgt dasselbe Prinzip wie LUG, nämlich das parallele Gebärden von Schlüsselwörtern im gesprochenen Satz. Allerdings nutzt GuK hierbei seine eigenen Gebärden! Mittlerweile wird bzw. sollte vom Einsatz von GuK abgeraten werden, da das Vokabular sich lediglich auf 200 Worte beschränkt, während wir bei der DGS auf ca. 19.000 Wörter kommen! GuK kann also niemals als dauerhaftes, langfristiges Kommunikationssystem genutzt werden, da dein Kind sein Leben lang sonst nicht mehr als 200 Wörter* kommunizieren könnte - es ist lediglich eine Methode zur Sprachförderung. LUG nicht. LUG kann ein Leben lang als Kommunikationssystem im Alltag des Kindes genutzt werden.

* mir ist bewusst, dass viele von euch jetzt denken: wow, ich bin froh, wenn mein Kind 10 Wörter stabil kommunizieren kann. Dennoch geht es auch um das Sprachverständnis und um die Tatsache, dass es aber einfach unfair ist deinem Kind von Beginn an die Möglichkeit zu nehmen unbegrenzt viele Wörter kommunizieren zu können. Das würden wir bei einem lautsprachlich kommunizierenden Kind auch niemals tun!


Was sind die Vorteile von LUG?


Mit lautsprachunterstützendem Gebärden wird dem betreffenden Kind das Verstehen der Lautsprache erleichtert. Ihr wird eine Möglichkeit angeboten, sich auch ohne Lautsprache mitzuteilen. Eine perfekte Ausführung der Gebärden ist nicht das Ziel! Kommuniziert das Kind mit lautsprachunterstützenden Gebärden, spricht es und bewegt dazu seine Arme, Hände und Finger. „Die neurolinguistische Forschung weist nach, dass die Gedächtnisleistung optimal aktiviert ist, wenn der Körper sich dabei bewegt." (Gisela Walter: Sprache – der Schlüssel zur Welt. Herder, 2009).Aber auch das sehen dieser metrischen Abläufe, regt das Gedächtnis an! Die Gebärden müssen also nie imitiert werden.


Lautsprachunterstützende Gebärden (LUG) können für Familien mit non-verbalen Kindern eine Vielzahl von Vorteilen bieten. Hier sind einige der wichtigsten Aspekte:

Wichtig!!!! Die meisten dieser Aspekte gelten natürlich für alle Teilbereiche der Unterstützten Kommunikation


1. Alternative bzw. ergänzende Kommunikation:

LUG bietet non-verbalen Kindern eine alternative Möglichkeit, sich auszudrücken, was die Kommunikation zwischen dir und deinem Kind verbessern kann. Es unterstützt außerdem durch die visualisierte Sprache das Sprachverständnis deines Kindes und gibt ihm Sicherheit in kommunikativen Situationen, die sonst überfordernd für dein Kind sein können.


2. Reduzierung von Frustration:

Kinder sind frustriert, wenn sie ihre Bedürfnisse, Gedanken und Gefühle nicht effektiv mitteilen können. Es muss unheimlich anstrengend sein, in einer Welt zu leben, in der niemand die eigene Sprache spricht. LUG ermöglicht es Kindern, sich besser zu verständigen und reduziert somit die Frustration.


3. Frühere Sprachentwicklung:

Die Verwendung von LUG kann die sprachliche Entwicklung fördern, indem Kinder frühzeitig mit grundlegenden Konzepten und Wörtern vertraut gemacht werden. Dadurch wird die Kommunikationsfähigkeit in jeglicher Hinsicht angeregt.


4. Stärkung der Eltern-Kind-Bindung:

LUG schafft eine große Gemeinsamkeit und Stabilität in der Kommunikation zwischen dir und deinem Kind. Sicherheit in der Kommunikation durch LUG stärkt die Bindung zwischen Eltern und non-verbalen Kindern. Die positive Interaktion während des Lernprozesses fördert eine unterstützende Eltern-Kind-Beziehung.


5. Erhöhte Selbstständigkeit:

Durch die Verwendung von LUG können non-verbale Kinder lernen, ihre Bedürfnisse und Wünsche eigenständig auszudrücken, was ihre Selbstständigkeit, Selbstwirksamkeit und Selbstbewusstsein fördert. Dasselbe gilt für das Sprachverständnis, wenn Kinder mehr Sicherheit erfahren und sehen, dass versucht wird auf ihre Art zu kommunizieren, stärkt dies ebenso ihr Selbstbewusstsein, etc.


6. Besseres Verständnis der kindlichen Signale:

Eltern, die LUG verwenden, entwickeln oft ein tieferes Verständnis für die Signale und Bedürfnisse ihrer non-verbalen Kinder. Dies fördert eine sensiblere und aufmerksamere Kommunikation.


7. Integration in den Alltag:

LUG kann wirklich leicht in den Familienalltag integriert werden. Dies ermöglicht eine kontinuierliche Anwendung und verstärkt die sprachliche Entwicklung im natürlichen Umfeld des Kindes. Denn: LUG ist keine Fördermethode, sondern ein Kommunikationssystem.


8. Förderung sozialer Interaktion:

Die Nutzung von LUG kann die Teilnahme an sozialen Aktivitäten erleichtern und somit die Inklusion supporten. Insbesondere das gemeinsame Singen und Bücher lesen, vereinfacht das Anknüpfen an Spiele mit Gleichaltrigen.


9. Überall:

LUG kann überall da angewandt werden, wo wir unsere Hände dabei haben: also überall.


Diese Vorteile zeigen, dass LUG nicht nur die sprachliche Entwicklung fördern, sondern auch die Lebensqualität für non-verbale Kinder und ihre Familien verbessern kann!



Wie kann LUG konkret von Eltern in den Alltag eiungebunden werden?

  • Lieder singen

  • Bücher lesen

  • Beim Spielen

  • Bei alltäglichen Handlungen (Essen, trinken, Windel wechseln, usw.)

  • Immer und überall




Wie wählt man die Wörter, die im Satz gebärdet werden, aus? 👩🏽‍🦱🧔🏽‍♂️👧🏼


1. Schlüsselwörter auswählen: Identifiziert die wichtigsten Wörter in einem Satz. Das sind oft Substantive (Namen von Personen oder Dingen), Verben (Tätigkeiten) & Adjektive (Eigenschaften).

2. Einfache, für ☝🏼euer Kind wichtige Gebärden verwenden: Wählt Gebärden aus, die für euer Kind leicht wieder zu erkennen sind. Beginnt mit den Grundlagen wie “essen”, “trinken”, “mehr”, “spielen” & erweitert dann unbedingt nach Bedarf.

3. In Kombination mit gesprochener Sprache: Nutzt die Gebärden parallel zur gesprochenen Sprache. Siehe im Video: „Bäume“, „großen“, „Elefanten“, „stoßen“. Natürlich könntest du noch „spazieren“ und „gehen“ gebärden, aber dies wäre zu viel - denn wir Gebärden ja nicht jedes Wort parallel.

4. Wiederholung ist der Schlüssel: Wiederholt die Gebärden in verschiedenen Kontexten. Je häufiger euer Kind die Gebärden sieht & erlebt, desto besser wird es sie zuordnen können. Deshalb ist es ideal, wenn mehrere Bezugspersonen LUG nutzen

5. Auf die Reaktion achten: Achtet auf die Reaktion eures Kindes. Wenn es auf eine Gebärde reagiert oder versucht sie nachzuahmen, ermutigt es dazu & reagiert/freut euch ruhig „übertrieben“!

Aber LUG ist immer eine individuelle Angelegenheit. Jedes Kind & jede Familie ist einzigartig, daher passt eure Herangehensweise an eure Bedürfnisse an. Es geht um das gemeinsame Erschaffen einer inklusiven & unterstützenden Kommunikation!



Hier siehst du, wie du das Lied "Was müssen das für Bäume sein, wo die großen Elefanten spazieren gehen?" mit LUG singen kannst!


Ich hoffe, der Blogbeitrag hat dir einen guten Überblick über LUG verschaffen können 💓 Falls du jetzt hyped bist LUG in euren Alltag zu integrieren oder dich ermutigt fühlst, LUG weiter auszubauen, kannst du gerne weiter auf meiner Webseite stöbern - du findest hier diverses, (kostenloses) Downloadmaterial.


Deine Elisa


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